5.8.23 Krummhörn – Geplante Neonazi-Party mit der Band “Gehasst-Verdammt-Vergöttert” von Antifas gestört

Für den 5. August 2023 war in Krummhörn in einer Lagerhalle ein Neonazi-Konzert mit der Onkelz-Coverband “Gehasst-Verdammt-Vergöttert”, “ErnstFall” und “Goethes Jungs” angekündigt.

“Live in Krummhörn 2” mit “Gehasst – Verdammt – Vergöttert”, “ErnstFall” und “Goethes Jungs” fliegt als getarntes Neonazi-Konzert auf.

In der Band “Gehasst-Verdammt-Vergöttert” sind mehrere Neonazis aktiv z.B. Marco Eckert aus Ostholstein, der sich schon vor Jahren mit dem “Sturm 18-Versand” und der “Combat 18”-Band “Oidoxie” einen Namen in der Neonazi-Szene machte. Eckert war Teil der “Kameradschaft Cismar”, deren Verbindungen über “Blood & Honour” bis in den NSU-Komplex reichte. Wie Exif Recherche im Zuge der Enttarnung des “Combat 18”-Netzwerkes berichtete, ist “Oidoxie”-Gitarrist Marco Eckert aus Grube neben “Rassenhass”, “Words of Anger” und weiteren Szenebands seit 2016 Mitglied in der Band “”Gehasst-Verdammt-Vergöttert”, die sicher nicht zufällig das Kürzel “28” für “Blood & Honour” im Symbol trägt.

Die “Combat 18 Sektion Ostholstein” in einem Recherche-Beitrag von Exif Recherche mit Beteiligung von Marco Eckert von “Gehasst – Verdammt – Vergöttert” Quelle: https://exif-recherche.org/?p=4399#sub35

Als schlecht getarnte Böhse Onkelz – Coverband konnte “”Gehasst-Verdammt-Vergöttert” 2018 in der Ostsee-Strandbar “Na´ bitte” in Dahme, Ostholstein ein von der Stadt genehmigtes Neonazi-Konzert durchführen. Dort nahmen einige Neonazis von “Combat 18”, Bandidos-Rocker, wie Lars Bergeest aus Cismar und weitere unbehelligt von der Polizei teil, feierten und zeigten Hitlergrüße.

Das Recherche-Netzwerk Exif Recherche berichtete 2018 über die Band:

Die Mitglieder der Band sind allesamt bekannte Neonazis, die auch in anderen Rechtsrock-Bands spielen: Marco Eckert, «Combat 18»-Mitglied aus Grube in Ostholstein und Musiker der C18-Band «Oidoxie» spielt an der Gitarre, am Schlagzeug sitzt Falk Pirnke aus Nordkirchen, ehemaliges Bandmitglied von «Oidoxie». Frontmann der Band ist Patrick Janssen aus Potsdam, der als Sänger der neonazistischen Band «Faust» bekannt ist. Am Bass findet sich Dirk Mewis aus Wismar, der zugleich Mitglied der Band «Vidar» ist.

Die Band «Gehasst-Verdammt-Vergöttert» versucht sich in sozialen Medien als unpolitisch darzustellen um so ein größtmögliches Publikum zu erreichen. Für ihre Auftritte greifen sie dennoch gerne auf ihr Neonazinetzwerk zurück.

Immer wieder profitieren rechte Bands von einer vermeintlich unpolitischen Böhse Onkelz – Fanszene, die diese auf Konzerte einladen und damit für die Finanzierung von Neonazi-Strukturen sorgen. Die Böhsen Onkelz haben ihren Reiz in der Neonazi-Szene nie verloren und waren als Türöffner in die rechte Szene trotz späterer Distanzierungen wirkungsvoll. Nach ihrem Comeback spielte die Band 2019 in Frankreich den bis vor kurzem noch indizierten Song “Der nette Mann” aus ihrer aktivsten Rechtsrock-Zeit. Das Lied befindet sich auf dem szenebekannten Album “Der nette Mann” aus dem Jahr 1984, welches aufgrund weiterer problematischer Songtexte z.B. “Frankreich 1984”, “Deutschland” oder “Böhse Onkelz” in der Neonazi-Szene als Kult-Album beliebt ist. Rebellentum zeigte sich hier, indem Bezug auf ein Album aus einer Zeit genommen wird, von deren politischer Einstellung die Band sich in den Folgejahren mehr oder weniger glaubwürdig zu distanzieren versuchte.

In der Landespolitik schlug das geduldete Neonazi-Konzert von “Gehasst-Verdammt-Vergöttert” an der Ostsee 2018 Wellen, denn trotz versuchter Anmeldung sah sich die Gemeinde nicht in der Lage, das Neonazi-Konzert gründlich zu prüfen, zu untersagen oder überhaupt im Auge zu behalten. Eine Notwendigkeit dafür wurde offenbar nicht gesehen. Beteuerungen der Politik, künftig wachsamer bei Neonazi-Konzerten zu sein, verhallten nahezu im Nichts, da weitere Rechtsrock-Konzerte in Schleswig-Holstein mitunter mit Polizeischutz stattfinden konnten. So wurde z.B. 2020 ein Auftritt von “Oidoxie” zusammen mit Karin Mundt in der mittlerweile geschlossenen NPD-Gaststätte “Titanic” Neumünster unter Polizeischutz zugelassen, obwohl nur wenige Wochen vor dem Konzert “Combat 18” offiziell bundesweit verboten wurde.

Vor einem Jahr trat “Gehasst-Verdammt-Vergöttert” in der Lagerhalle des Unternehmens “Friedrich Voss” in Krummhörn im Kreis Ostfriesland auf, wo die Folge-Veranstaltung am 5.8.2023 seit längerem angekündigt ist. Dass vermeintlich “unpolitische” Partys mit Onkelz-Flair schnell ein Einfallstor für die rechtsradikale Szene werden, zeigen folgende Recherchen:

Neonazis im Publikum feiern zum Sound der Böhsen Onkelz und zeigen den Hitlergruß in Krummhörn

In Ostfriesland kam es bereits am 6.8.2022 zu einem Auftritt der Neonazi-Band zusammen mit der Metallica-Coverband “Minetallica”. Beworben wurde das Konzert in der Gruppe “Onkelz Freunde Ostfriesland” unter dem Label “Ostfriesland Freizeit Veranstaltungen” in besagter Lagerhalle mit etwa 200 Onkelz-Fans, darunter auch Neonazis.

Auffällig schien bereits im Vorfeld, dass der Veranstaltungsort geheim bleiben sollte, wie es eher typisch für Konzerte in der rechten Szene ist. Bei Facebook konnte ein Nutzer konkrete Details zu der Organisation rund um das Konzert machen. Konzerttickets waren über eine Mailadresse erhältlich. Auf dem Ticket seien dann weitere Informationen enthalten.

In der Gruppe “Onkelz Freunde Ostfriesland” wird die Veranstaltung beworben, ohne den Auftrittsort bekanntzugeben wie bei klassischen Rechtsrock-Konzerten üblich.

Kurz vor der Veranstaltung gab es Karten über die derzeitige Junior-Chefin des Unternehmens “Friedrich Voß”, die das Konzert vorab öffentlich auf ihrer Facebook-Seite beworben hatte und ebenfalls in der Facebook-Gruppe “Onkelz Freunde Ostfriesland” Mitglied ist, in der sich unter mehr als 400 Mitgliedern längst nicht nur “unpolitische” Onkelz-Fans bewegen.

Karten für das Konzert am 5.8.22 gab es spontan über das Büro von “Friedrich Voß”

In einem Video-Auszug des Auftritts der Neonazi-Band “Gehasst-Verdammt-Vergöttert” vom 06.08.2022 in der Krummhörner Lagerhalle ist zu sehen, wie ein Mann augenscheinlich den Hitlergruß und ähnliche Gesten zum Onkelz-Sound macht und mitgröhlt:

 

Auf einem Foto der Veranstaltung steht im Publikum ein Mann, der bereits von rechten NPD- Demonstrationen bekannt ist. Sascha Burmeister teilt auf seinem Facebook-Profil öffentlich Fotos mit Rechtsrock-Bezug, markierte mehrere Beiträge der Neonazi-Band “Gehasst-Verdammt-Vergöttert” bei Facebook mit “gefällt mir” und ist ebenfalls seit einem Jahr Mitglied der Facebook-Gruppe “Onkelz Freunde Ostfriesland”, wo er das geplante Folge-Konzert am 05.08.2023 in Krummhörn bereits im Januar 2023 bewarb.

Die Neonazi-Band “Gehasst – Verdammt – Vergöttert” kündigt am 8.8.2022 eine Wiederholung im nächsten Jahr an.

 

Sascha Burmeister auf einer Neonazi-Demo der NPD 2014 in Jever Quelle: Recherche Nord

In der Gruppe “Onkelz Freunde Ostfriesland” wird das Neonazi-Konzert am 5.8.2023 in Krummhörn beworben.

Eingesetzt war an dem Abend in Krummhörn eine Crew mit schwarzen Shirts sowie der “Nordland Sanitätsdienst”, der von Neonazi-Demonstrationen und Rechtsrock-Veranstaltungen, wie z.B. in Themar 2019 oder “Tag der nationalen Bewegung” bekannt ist und diese Informationen leicht überprüfbar auf Facebook mitteilt. Ein Foto vom Abend wurde wieder gelöscht, vermutlich wegen der Ankündigung, am 5.8.2023 ebenfalls vor Ort zu sein:

Der “Nordland Sanitätsdienst” kündigt an, am 5.8.2023 erneut in Krummhörn zu sein

 

Der “Nordland Sanitätsdienst” ruft zur Neonazi-Demo am 1. Mai 2020 in Hamburg auf.

 

Der “Nordland Sanitätsdienst” kündigt 2018 die Teilnahme an einschlägigen Neonazi-Veranstaltungen an, z.B. “Tag der deutschen Zukunft” und “Tage der nationalen Bewegung.

Weitere Facebook-Accounts aus der Region Ostfriesland und bekannte Neonazis haben mehrere Beiträge der rechten Band mit “gefällt mir” markiert z.B. Sebastian Raak von “Opos Records” und Holger Ingwersen von der Band “Kraftschlag. Dass die vermeintlich unpolitische Band selbst ein mittlerweile gelöschtes längeres Video vom Auftritt in Krummhörn auf Facebook veröffentlichte, auf der ein Gast augenscheinlich den Hitlergruß und ähnliche Gesten machte, sagt einiges über den unkritischen Umgang mit derartigen Konzerten aus.

Die Sorge vieler in der Region darüber, dass in Ostfriesland durch eine vermeintlich unpolitische Onkelz – Fangemeinde getarnte Neonazi-Konzerte etablieren und sich so ein Anlaufpunkt der rechten Szene in der Region entwickeln kann wird auch dadurch deutlich, dass Behörden das öffentlich beworbene Rechtsrock-Konzert im letzten Jahr trotz rechter Straftaten und anhand eines Teils der anwesenden Personen mit eindeutigen Bezügen in die organisierte und militante Neonazi-Szene nicht negativ aufgefallen sein sollen. Aus der Quartals-Anfrage über Rechtsrock-Konzerte im Bundestag findet sich an diesem Datum keine Eintragung. Die Bürgermeisterin spricht gegenüber der Presse von keinen Informationen über Auffälligkeiten.

Eine Abfrage zu “rechtsextremistischen Musikveranstaltungen” listet das Neonazi-Konzert am 6.8.2022 in Krummhörn mit “Gehasst-Verdammt-Vergöttert” nicht auf.

Erneut sollte in diesem Jahr die Veranstaltung in der Emder Landstraße bei “Friedrich Voß” in Krummhörn stattfinden. Zu den weiteren Bands des Abends gehörten “ErnstFall” vom Label “Rookies & Kings”, das zu der umstrittenen Band “Frei.Wild” gehört und “Goethes Jungs” die erst am 15.7. ein Konzert mit der Band “Weimar” in Vacha spielten. Dass “Weimar” sich nach ihrem Neonazi-Skandal medienwirksam und unfreiwillig von Universal verabschieden mussten und im Anschluss sogar einräumten, dass zwei ihrer Bandmitglieder in der Neonazi-Szene in Thüringen aktiv gewesen sind, hinderte die Frankfurter Band “Goethes Jungs” nicht daran, zusammen mit der Band aufzutreten. Einer klaren Haltung gegen extrem rechtes Gedankengut hielten sie lieber ein “Und für uns hat Politik nichts in der Musik verloren und zu suchen.” entgegen.

Die Band “Goethes Jungs” kündigt ein Konzert für den 15.7.2023 in Vacha mit der umstrittenen Band “Weimar” an.

Antifaschist*innen crashten die zu erwartende Neonazi-Party im Vorfeld und sorgten für einiges Durcheinander…

Das “Offene antifaschistische Treffen Nordwest” machte auf Twitter auf das Rechtsrock-Konzert bei “Friedrich Voß” aufmerksam

Nach einigem hin und her und kritischen Presseberichten über das geplante Neonazi-Konzert sahen sich die Veranstalter motiviert, die Neonazi-Band vom Programm zu nehmen. Auch eine weitere der umstrittenen Bands “ErnstFall” vom Label “Rookies & Kings” ist nicht mehr enthalten. Hinweise auf mögliche politische Hintergründe der Band-Auswechselung werden vom Inhaber der Halle nicht erwähnt und lassen so Raum für Spekulationen. Da bereits so einige Karten im Vorverkauf an mutmaßliche Fans der angekündigten Neonazi-Band verkauft worden sein dürften, im letzten Jahr bereits ein für 2023 angekündigter “Nordland Sanitätsdienst” aus der Neonazi-Szene zu erwarten ist und eine als Onkelz-Coverband getarnte Neonazi-Band in der Lagerhalle vor ca. 200 Fans auftreten konnte und trotz augenscheinlichem Hitlergruß und Neonazi-Beteiligung keinerlei negative Kritik an dem Abend erfolgte, ist die Erwartungshaltung für Samstag eine ganz und gar nicht “unpolitische” Folge-Veranstaltung.

Da die Inhaber betonten, nicht mehr mit dem Konzert zu tun zu haben, als es in ihrer Lagerhalle stattfinden zu lassen, aber gleichzeitig von einem “Wir” sprechen, wenn es um Bandwechsel geht und die Veranstaltung politisch einordnen, lässt dieses Verhalten ebenfalls Raum für eine weitergehende kritische Betrachtung, zumal keine inhaltliche Stellungnahme vom Unternehmen erfolgte, außer sich gegen die vermeintlich “haltlosen Berichte in der Presse” zu wehren. Wer die Veranstalter sind, darüber äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht – jedoch dürften diese sowohl über die politischen Hintergrunde ihrer Bands informiert gewesen sein, als auch daran interessiert, nicht auf die zu erwartenden Einnahmen am Wochenende zu verzichten. Rechtsrock-Konzerte sind eine lukrative Einnahmequelle für die Neonazi-Szene.

Das Unternehmen “Friedrich Voß” kündigt an, dass es sich um eine “unpolitische Veranstaltung handelt” und sie eine andere alternative Onkelz-Coverband gefunden hätten. In einem weiteren Bild bezeichnen sie die Berichte in der Presse als “haltlos”.

In den Facebook – Kommentarspalten wird wiederum deutlich, in welches politische Wespennest die Antifa-Gruppe gestochen hat. Von Relativierungen der politischen Neonazi-Hintergründe der kritisierten Band zu Anschuldigungen und Drohungen mit Strafanzeigen wegen angeblichem “Rufsmord” ist das übliche Potpourri dabei, wenn Neonazi-Konzerte rechtzeitig auffliegen. Mag man einem Facebook-Nutzer glauben schenken, soll der Staatsschutz mit der Polizei bei den Konzertverantwortlichen gewesen sein. Allerdings nicht mit dem Ziel, das angekündigte Neonazi-Konzert am 5.8. mit höchstwahrscheinlich ähnlicher politischer Beteiligung wie im Jahr 2022 zu untersagen, sondern offenbar, um vor linken Aktionen zu warnen. Ob sich das so zugetragen hat, lässt sich momentan nicht bestätigen. In der Presse ist zumindest eine linke Gegendemonstration und genaue behördliche Beobachtung der geplanten und vorab genehmigten Musik-Veranstaltung im Gespräch, die man durchaus kritisch sehe.

Die antifaschistische Gruppe “OAT Nord-West” sieht sich nach Kritik an dem Neonazi-Konzert in Krummhörn Anschuldigungen ausgesetzt.

Auch ein weiteres Konzert bewirbt die Neonazi-Band öffentlich auf ihrer Facebook-Seite. So ist für den 9.9.23 ein Auftritt in Giesendorf auf dem Sportplatz am Weinberg in Brandenburg mit der Band LSD geplant.

Am 09.09.2023 kündigt die Neonazi-Band “Gehasst – Verdammt – Vergöttert” einen Auftritt in Giesendorf an

Wenn den Inhabern des Krummhörner Unternehmens Glauben geschenkt wird und sie tatsächlich nur die Halle an die Veranstalter vermietet haben, hat in Krummhörn ohne jegliche Kritik am 6.8.2022 ein durchweg von Neonazis organisiertes Rechtsrock-Konzert mit einschlägigem Personal stattgefunden. Ein Folge-Konzert war bereits damals im Gespräch und erfolgt nun.

Die selben Veranstalter mit dem selben angekündigten Sanitätsdienst aus der Neonazi-Szene bemühen sich nach Bekanntwerden durch Antifaschist*innen nun um Schadensbegrenzung, indem zwei Bands ausgewechselt und eine neue Onkelz-Coverband “Viva Loz Tioz” angekündigt wird. Weiterhin verdienen diese aber an der Veranstaltung mit dem zu erwartenden Publikum aus dem Fan-Umfeld der ursprünglich geplanten Rechtsrock-Bands.

Auch in diesem Fall ist die Absage der Veranstaltung durch den Inhaber der Lagerhalle und eine Aufarbeitung des letzten Jahres unausweichlich, wenn er nicht mit den politischen Hintergründen in Verbindung gebracht werden und rechtem Treiben in der Region Einhalt gebieten möchte.

Artikel wird ggfs. um weitere Informationen ergänzt.

20.5.2023 RD-Rock Festival in HANERAU-HADEMARSCHEN

In wenigen Tagen startet das nächste RD-Rock Festival in Hanerau-Hademarschen, mitten in Schleswig-Holstein.

 

Zu später Stunde versorgt DJ Tofuwabohu die Meute mit allem, was das (Punk-) Rock-Herz begehrt. DJ Tofuwabohu selbst beschreibt seinen Musikstil als Punkalicous.
Tohuwabohu ist gleichsetzen mit dem puren Chaos, was jede:r in einem guten Mix an alten und neuen Punkrock, Elektropunk Skapunk, Hardcore und Zeckenrap direkt zu spüren bekommt.

VVK-Karten gibt es noch bis Freitag, 12.00 Uhr bei “STOTZ AM MARKT” in Hanerau-Hademarschen (19€), AK: 25€

21.05.2022 13 Uhr Glückstadt – Demonstration „…bis das Gefängnis wieder schließt! Kein Abschiebeknast in Glückstadt!“

Kommt am Samstag, 21,05. zur überregionalen Demonstration gegen Abschiebehaft in Glückstadt. Bis das Gefängnis wieder schließt!


Abschiebehaft gibt es in Deutschland seit 1919. Eine Informationsbroschüre klärt über die Hintergründe auf. Leseprobe:


Infobroschüre (gesamt):

Infos auf der neuen Webseite: https://glueckstadtohneabschiebehaft.noblogs.org/
Aufrufe in mehreren Sprachen: https://glueckstadtohneabschiebehaft.noblogs.org/demo-mai-2022-bis-das-gefaengnis-wieder-schliesst-kein-abschiebeknast-in-glueckstadt-2/demo/

Facebook: https://www.facebook.com/Glueckstadt-ohne-Abschiebehaft
Instagram: https://www.instagram.com/glueckstadt_ohne_abschiebehaft

SICHERE AUFNAHME & SICHERES BLEIBEN!: Bündnispapier

Zur Landtagswahl Schleswig-Holstein 2022: Bündnispapier

Zahlreiche Kommunen in Schleswig-Holstein haben sich seit 2018 zu Sicheren Häfen erklärt. Ein Sicherer Hafen ist ein Ort der Aufnahme und des Ankommens für Schutzsuchende, insbesondere für jene, die unter katastrophalen Bedingungen an Europas Grenzen festsitzen. Außerdem sollte ein Sicherer Hafen Sicherheit für alle Menschen schaffen, die ganz konkret hier vor Ort leben. Sichere Häfen vermitteln eine andere Lösung für Verteilungsfragen, schaffen Handlungsmöglichkeiten und aktivieren Kommunen und Städte, sich in die Bundes- und EU-Politik einzumischen – gegen die derzeitige europäische Abschottungspolitik und für eine Willkommens- sowie Solidaritätspolitik. Damit hat das Konzept eine enorme politische Bedeutung. Eine explizite Erklärung des Landes Schleswig-Holsteins zum Sicheren Hafen lehnte die bisherige Landesregierung allerdings ab. Daher fordern wir die zukünftige Landesregierung auf, endlich zu handeln, anstatt weiterhin abzuwarten.

Wir appellieren an das Land, dass alle Menschen, die hier leben wollen, auch hierbleiben können. Obwohl für viele Fragen das Aufenthaltsrecht auf Bundesebene geändert werden muss, können die Kommunen und allen voran das Land Schleswig-Holstein schon jetzt rechtliche Spielräume nutzen, um für Menschen ein Bleiberecht zu schaffen und ihnen Sicherheit zu bieten.

Im vergangen Jahr hat Schleswig-Holstein das Abschiebegefängnis in Glückstadt eröffnet. Dessen Betrieb liegt in der Verantwortung Schleswig-Holsteins, aber auch Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg nutzen dort Plätze. Abschiebehaft bedeutet Freiheitsentzug für Menschen, die keine Straftat begangen haben. Durch dieses Instrument erleiden Erwachsene sowie Kinder (Re-)Traumatisierungen.

In Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland in Länder abschiebt, in denen erhebliche Gefahren durch Krieg, Folter und schärfste Diskriminierung herrschen, sind die rassistischen Instrumente der Abschiebehaft sowie Abschiebungen grundsätzlich abzulehnen. Jede*r hat ein Recht auf ein sicheres und würdevolles Leben. Das Land Schleswig-Holstein kann als positives Beispiel voran gehen, um sich für eine humanitäre Wende in der Asyl- und Migrationspolitik einzusetzen. Die neue Landesregierung sollte eine konsequent wohlwollende und humane Grundhaltung gegenüber Menschen mit unsicherem Aufenthalt einnehmen und ihr Ermessen stets so auslegen, dass auch bei der derzeitigen Gesetzeslage für alle Menschen ein Bleiberecht geschaffen wird. Landesaufnahmeprogramme sind hier zentral, um sichere Fluchtwege für alle Menschen zu schaffen. Das bereits 2021 beschlossene Aufnahmeprogramm für Afghan*innen muss erweitert und sofort umgesetzt werden. Weitere Programme müssen folgen.

Das Land muss zukünftig alle Möglichkeiten ausschöpfen, um menschenrechtsorientierte, schützende und fördernde Lebensbedingungen sowie ein gleichberechtigtes Zusammenleben für alle Menschen zu schaffen – unabhängig von Pass und Aufenthaltstitel.

Als breites zivilgesellschaftliches Bündnis fordern wir zu den Landtagswahlen am 08. Mai 2022 von der zukünftigen Landesregierung, dass

  • sich Schleswig-Holstein als Land zum Sicheren Hafen erklärt und dadurch kommunale Aufnahme aktiv unterstützt. Diese Aufnahme soll zusätzlich zu gesetzlich vorgeschriebenen Kontingenten passieren.

  • Menschen über sichere Fluchtwege in Schleswig-Holstein ankommen, indem weitere Landesaufnahmeprogramme beschlossen sowie umgesetzt werden. Außerdem muss das bereits beschlossene Programm für Afghan*innen unverzüglich realisiert und erweitert werden, um mehr Menschen aufzunehmen.

  • sie sich dafür einsetzt, dass Familien selbstbestimmt zusammen leben können. Das bedeutet, dass die Landesregierung bürokratische Hürden der Familienzusammenführung abschafft und schnelle Verfahren ermöglicht, denn Familien gehören zusammen! Dies gilt für biologische sowie selbstgewählte Familien.

  • sie sicheres Bleiben für alle Menschen ermöglicht! Damit geht einher, das Abschiebegefängnis in Glückstadt sofort ersatzlos zu schließen und Abschiebungen zu beenden.

  • sie Prozesse anstößt, ein neues Gesellschaftsverständnis zu entwickeln, in dem rassistische Strukturen in allen Bereichen abgebaut werden und in dem keine Bringschuld an Schutzsuchende besteht.

Forderungen zur Landtagswahl 2022
https://seebruecke.org/

Soli-Grüße von Itzehoe nach Glückstadt und Trapani! Kein Mensch ist illegal!

In zwei Wochen wird in Glückstadt zu der länderübergreifenden Demonstration Bis das Gefängnis wieder schließt! Kein Abschiebeknast in Glückstadt! mobilisiert. Am selben Tag (21.05.) beginnt der Prozessauftakt gegen die IUVENTA Crew. Ihnen drohnt die italienische Staatsanwaltschaft mit bis zu 20 Jahren Haft für die Seenot-Rettung von Flüchtenden im Mittelmeer.

Im Freiraum Itzehoe e.V. gab es am Donnerstag eine Informationsveranstaltung mit Filmvorführung. Dabei wurde die NDR-Dokumentation zum Abschiebegefängnis in Glückstadt gezeigt.

Von Itzehoe nach Glückstadt und Trapani! Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall! Aktionstag: 21. Mai!

Wir senden solidarische Grüße an die schutzsuchenden Inhaftierten in Glückstadt und die von Kriminalisierung betroffenen Menschenretter*innen der Iuventa Crew! Von Itzehoe nach Glückstadt und Trapani! Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall! Aktionstag: 21. Mai!

Kein Abschiebeknast in Glückstadt und anderswo! Gegen jede Abschiebung! Gegen jedes Abschiebegefängnis!

Fight for Solidarity

11.12. Neumünster – Demonstration gegen neuen Neonazi-Treffpunkt „Siedlerklause“

Da die Neueröffnung der extrem rechten Gaststätte „Titanic“ als „Siedlerklause“ in der Ehndorferstraße 169 kurz bevorsteht, rufen antifaschistische Gruppen für diesen Samstag zur Demonstration auf:

Treffpunkt: 14.30 Uhr Postparkplatz /Bahnhof Neumünster
Antifa-Demonstration: 15.00 Uhr vor der Siederklause (Ehndorferstraße 169)

Kommt zahlreich – bleibt achtsam und entschlossen!
Nazi-Kneipen dichtmachen!

Alle Infos:

[1] http://eisberge.blogsport.eu/?p=658

18.10/ 19.10.2021 Flensburg im Beginn der Verdrängung von Kulturvereinen – Bunnies Ranch vor dem Ende?

Am 19.10.2021 findet in der Ratsversammlung der Stadt Flensburg eine öffentliche Abstimmung über die Zukunft des Kühlhauses und der Bunnies Ranch statt.

Die Bunnies Ranch umfasst umfangreiche, unkommerzielle Angebote für Kunst und Kultur mit Atelier, Holzwerkstatt, Metallwerkstatt, Außengelände mit mobilen Wohnformen und bietet auch deutsch-dänische Kulturangebote an. Der Verein fördert Naturschutz- und Tierhilfsprojekte in Flensburg und überregional z.B. mit Projekten für Bienen, Fledermäuse und Tauben. [1,2]

Das Kühlhaus ist in fast 30 Jahren als Kulturwerkstatt Kühlhaus e.V. ein unverzichtbarer Kulturort für Konzerte, Festivals und andere Angebote mit internationaler Strahlkraft in Flensburg geworden.[3]

Beide Vereine sollen von ihrem vorherigen Standort am Bahnhofstal verdrängt werden, um dort seit 2013 geplante Sanierungsprojekte der Stadt Flensburg durchzuführen. Zunächst wurde von der SPD-Oberbürgermeisterin Simone Lange die Verlängerung der Nutzungsverträge für die Bunnies Ranch noch zugesagt, doch vor wenigen Wochen wurde in nicht-öffentlicher Sitzung die Vertragsverlängerung von der Stadt boykottiert und verhindert.[4, 5]

Zwei Anträge, die die Existenz der Bunnies Ranch massiv gefährden, liegen für die nächste Sitzung der Ratsversammlung am kommenden Dienstag vor:

Der Hauptantrag sieht zwar vor, ein Angebot für das Kühlhaus im Sanierungsgebiet vorzuhalten, aber explizit nicht für die Bunnies Ranch. Für die Stadt Flensburg kommt eine Weiternutzung des Kunst- und Kulturvereins an dem Standort nicht in Frage. Wenn die Anträge positiv abgestimmt werden, wird die Fläche der Bunnies Ranch “freigelegt” ohne dass diese eine Angebot im Sanierungsprojekt bekommen und womit ihnen ab Februar 2022 jegliche Perspektive genommen werden würde:

„1.) Die Verwaltung wird beauftragt, folgende Vorgaben bei der Auslobung des Wettbewerbes für das Bahnhofstal zu berücksichtigen:
a) Für die Kulturwerkstatt Kühlhaus e.V. ist ein Alternativstandort im Bereich des Wettbewerbsgebiets vorzusehen. Der räumliche Bedarf soll sich dabei zunächst am Status Quo orientieren.
b) Die Anregungen des Vereins Bunnies Ranch e.V. zur Gartenkultur, dem Tier- und Naturschutz sollen Berücksichtigung finden.
c) Ein neuer Vereinssitz für den Verein Bunnies Ranch e.V., an dem die lärmintensiveren Vereinsaktivitäten ausgeübt werden können, ist nicht im Wettbewerbsgebiet vorzusehen.

2.) Dem Einsatz von Städtebauförderungsmitteln in Höhe von rd. 170.000 € für die Freilegung (Abbruch und Sanierung der Bodenverunreinigungen) des Grundstücks Mühlendamm 19 wird zugestimmt.“[6]

Ein Ergänzungsantrag der WiF-Fraktion sieht vor, im Sanierungsgebiet eine Ausweichfläche für den eigentlich geplanten Hotel- und Parkhaus-Bau zweier Investoren mitten im Bahnhofswald zu bekommen:

Der Beschlussantrag der SUPA-64/2021 wird zu 1. um einen zusätzlichen Punkt „d) ein Standort für ein Hotel und ein Parkhaus soll berücksichtigt werden.“ ergänzt.[7]

Die Stadt Flensburg zeigt sich in der Begründung über die Lärmentwicklung am Bahnhof besorgt, wird den Platz aber für die Feuerwehr nutzen. Sofern dem Antrag der WiF-Fraktion zugestimmt wird, soll die Fläche sogar als Ausweichfläche für den Bau eines Hotel- und Parkhaus-Komplexes genutzt werden, da die im Frühjahr unter Polizeieinsatz geräumte und gerodete Waldfläche im Bahnhofswald dafür laut Antrag der WiF nicht mit dem Umweltschutz vereinbar wäre.

Änderungsanträge, die eine Alternativlösung für die Bunnies Ranch analog zum Kühlhaus beinhalten, sind bisher nicht dokumentiert.
Änderungsanträge, die sich gegen eine Ausweichfläche für das umstrittene Hotel und Parkhaus-Projekt aussprechen, ebenfalls nicht.

So muss derzeit davon ausgegangen werden, dass die Stadt Flensburg der Vereinskultur eine klare Absage erteilt und den Kulturinitiativen, die sich seit vielen Jahren für die Menschen, Tiere und Umwelt der Stadt Flensburg engagiert haben, trotz vorheriger Zusage in den Rücken fällt.

Mit großem Unverständnis reagieren wir auf die Ankündigung der Stadt Flensburg, Kulturinitiativen aus Flensburg zu verdrängen, um die Region attraktiver für Wirtschaftsinteressen zu machen.

Die Stadt muss sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ausrichten, dazu gehört auch die kulturelle Vielfalt und Diversität durch Vereine wie die Bunnies Ranch. Ein Alternativ-Angebot, welches die Fortführung der wertvollen, unabhängigen Kulturarbeit und der diversitätsgeprägten alternativen Wohnformen  ermöglicht, ist das Minimum.

Termine:

Einladung der Bunnies Ranch e.V.: 18.10.2021 17:00 Uhr Runder Tisch in der Dänischen Zentralbücherei, Nordertr. 59 in Flensburg für alle Beteiligten und Betroffenen der Entscheidung[8]

Ratsversammlung: 19.10.2021 16:00 Uhr Ratssaal, Rathausplatz 1 24937 Flensburg

[1] https://usercontent.one/wp/www.bunniesranch.de/wp-content/uploads/2021/01/Bunnies_Ranch_Konzept_Web.pdf
[2] https://www.bunniesranch.de/
[3] https://kuehlhaus.net/kuehlhaus-geschichte.php
[4] https://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/Kulturprojekte-in-Flensburg-muessen-der-Umgestaltung-im-Bahnhofsviertel-weichen-id33989202.html
[5] https://akopol.wordpress.com/2021/10/15/flensburger-kulturprojekt-bunnies-ranch-bedroht-politik-und-verwaltung-auf-zick-zack-kurs/
[6] https://ratsinfo.flensburg.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZZ3EtlxZOsyQcDa1_UbYGM1oj9Kl5EiD6pEpEtSNOf6b/Beschlussvorlage_SUPA-64-2021.pdf
[7] https://ratsinfo.flensburg.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZdLt4GkW9NbXMqdrwRkmxElWTyDBRxzy_YG03HNgWPuU/Beschlussvorlage_SUPA-64-2021_2._Ergaenzung_1._Nachtrag.pdf
[8] https://www.facebook.com/BunnyOnTheRanch

25.09.2021 18:00 Uhr Neumünster Kategorie C-Konzert stören – Titanic versenken!

Am Samstag ist in der Neonazi-Kneipe Titanic Neumünster ein Kategorie C – Konzert geplant. Am 15.02.2020 wurde dort ein Konzert mit der Combat-18-Band Oidoxie und Karin Mundt organisiert. Die Titanic gilt als Nachfolge des Club 88, wird von der NPD geleitet und steckt in Schwierigkeiten.

Für Samstag ist eine antifaschistische Kundgebung angekündigt worden:

Angemeldete Kundgebung: 18:00 Uhr
Treffpunkt: 17:30 Postparkplatz (direkt am Bahnhof)
EA: 040 432 78 778

Infos unter:
https://twitter.com/AntifaNMS/status/1441467993796628481

24.07.2021 Kiel Kundgebung – Perspektivlösung für das Li(e)ber Anders – sofort!

Wir bleiben Li(e)ber Anders!

Perspektivlösung für den Gaardener Stadtteilladen – sofort!

Fast drei Monate ist es nun her, dass wir ungläubig den Brief von unserer Vermieterin Ulrike Berger in den Händen hielten: Ende Juli sollen wir nach insgesamt fast 30-jähriger Nutzung unsere Räumlichkeiten in der Iltisstraße 34 verlassen. Wir sind noch immer entsetzt, aber vor allem sind wir stinksauer. Uns bleibt nur noch eine gute Woche Zeit und für uns ist klar: Wir geben nicht auf, wir kämpfen für das Li(e)ber Anders!

Samstag, 24.07.2021 // Kundgebung
13 Uhr // Europaplatz // Kiel

Nach der Kundgebung findet die Eröffnung der Ausstellung
„Wir bleiben Li(e)ber Anders – Ein Blick in die letzen Jahre und den Kampf ums Li(e)ber Anders“ statt:

17 Uhr // K34-Galerie // Medusastraße 14, Gaarden

Samstag, 31.07.2021 // Kundgebung, offener Laden & Essen für Alle
14 Uhr // Vorm Li(e)ber Anders // Iltisstraße 34, Gaarden


Drei Jahrzehnte Solidarität von Unten und selbstorganisierte Politik in der Iltisstraße 34 vor dem Aus?

Seit Wochen haben wir mit aller Kraft und auf verschiedenen Ebenen alles dafür getan, um mit unserer Vermieterin über den Verbleib unseres Ladens an seinem langjährigen Standort in Gaarden zu verhandeln. Wir müssen leider feststellen, dass alle Bemühungen, ins Gespräch zu kommen, erfolglos geblieben sind.

In den letzten Wochen haben wir viel Solidarität erfahren. Rund 100 lokale und überregionale Initiativen, Gruppen, Läden, Projekte und Akteur*innen aus dem politischen und kulturellen Bereich haben uns mit einem offenen Brief unterstützt, in dem die Vermieterin aufgefordert wird die Kündigung zurückzunehmen. Mehr als 500 Menschen haben unsere Online-Petition für den Erhalt des Stadtteilladens unterzeichnet. Über 350 Menschen haben sich unserer Demonstration in Gaarden angeschlossen und sind gegen die Kündigung auf die Straße gegangen. Trotz all der Solidarität und all unserer Aktionen sieht es bisher so aus, dass wir in einer Woche auf der Straße sitzen werden.

Das Li(e)ber Anders existiert nun schon seit 30 Jahren in durchgängiger Nutzung durch selbstorganisierte Projekte. Das Projekt entstand 1991 als Arbeitslosenladen der Arbeitsloseninitiative e.V.. Im Jahr 2007 kam es zu einer Neustrukturierung, das Li(e)ber Anders entstand als Stadtteilzentrum. Unter seinem Dach organisieren sich seitdem diverse politische und soziale Initiativen, darunter auch der Infoladen Libertärer Laden.

Der solidarische Stadtteil braucht Räume!

Bei uns finden sich Menschen aus dem Stadtteil zusammen, um sich gegen soziale Ungerechtigkeiten und politische Missstände im Kleinen wie im Großen zu wehren. Hier können Menschen zusammenkommen, sich vernetzen und politisch organisieren. Im Li(e)ber Anders findet eine Sozial- und eine Mieter*innenberatung statt, hier wird bei staatlicher Repression geholfen und es gibt eine Küche für alle. Bei uns können Menschen Kaffee trinken und finden einen warmen Raum vor. Hier kämpfen wir gegen Mieterhöhungen, gegen Verdrängung und für einen solidarischen Stadtteil. Hier haben wir mehreren Naziangriffen getrotzt und unzählige Demos und Aktionen vorbereitet. Zuletzt entstanden hier Initiativen wie das Nachbarschaftsnetzwerk Gaarden solidarisch gegen Corona, um im pandemischen Ausnahmezustand gegenseitige Hilfe von und für Gaardener*innen zu organisieren. Der Laden ist selbstorganisiert und wird in einem solidarischen und gleichberechtigten Durch- und Miteinander von allen gefüllt und verwaltet, die Lust darauf haben und Räume brauchen.

Die Häuser denen, die sie nutzen und darin wohnen!

Wir sehen unsere Kündigung im Zusammenhang mit einer von der Stadt Kiel betriebenen Stadtteilaufwertung in Gaarden. Diese fördert gezielt die Dynamiken des kapitalistischen Immobilienmarkts und befindet sich im vollen Gange. Die angespannte Wohnraumsituation in ganz Kiel und steigende Mieten versprechen auch im „Schmuddelstadtteil“ Gaarden lukrative Geschäfte. In Gaarden und drumherum entstehen teure Wohnkomplexe und Hotels, im Stadtteil nicht geerdete prestigereiche Kunst- und Kulturprojekte sollen für ein ansprechendes Ambiente für eine zahlungskräftige Klientel sorgen. Systematisch werden so alle verdrängt, die nicht in das neue Image passen. Das sind als erstes die vielen Gaardener*innen, die schon jetzt jeden Cent umdrehen müssen, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Auch selbstverwaltete, unkommerzielle und offen widerständige Projekte aus dem Stadtteil wie das L(i)eber Anders sind für solche Planungen mehr Störfaktor, als dass man hier große Gewinne auspressen könnte.

Verdrängung, Stadtteilaufwertung und steigende Mieten sind dabei Entwicklungen, die nicht nur die Gaardener*innen, sondern alle Kieler*innen betreffen. Wir wollen unser Leben in unserem Stadtteil selbst in die Hand nehmen und dafür brauchen wir Orte an denen wir selbstbestimmt zusammenkommen und uns organisieren können.

Give us a future!

Wir brauchen unkommerzielle, unabhängige Räume wie das Li(e)ber Anders, die nicht von staatlichen Institutionen oder etablierten Verbänden kontrolliert werden und in denen die Geldbörse keine Rolle spielt. Deswegen ist das Li(e)ber Anders auch kein Ort, den man mal eben mit einer Kündigung dichtmachen kann. Denn hinter unserem Laden stehen hunderte Gaarden*innen und Kieler*innen, die für einen solidarischen Stadtteil und eine soziale Stadt kämpfen. In diesem Sinne wollen wir auch die Stadt Kiel an ihre großtönenden Worte, aber vor allem an den Beschluss der Ratsversammlung vom 20. Mai 2021 erinnern, sich für den Erhalt des Li(e)ber Anders in Gaarden einzusetzen. Zwei Monate später sitzen so gut wie auf der Straße: Die Zeit der Worte ist vorbei, wir brauchen eine konkrete Perspektive – sofort!

Stoppt die Aufwertung auf unsere Kosten – für einen solidarischen Stadtteil!

Wir lassen uns nicht verdrängen – Li(e)ber Anders muss bleiben!

1 https://wirbleibenlieberanders.noblogs.org/post/2021/07/20/perspektivloesung-fuer-das-lieber-anders-sofort/
2 https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-stadtteilladens-li-e-ber-anders-kiel-gaarden
3 https://kbfn.noblogs.org/03-07-2021-kiel-lieber-anders-verteidigen

03.07.2021 Kiel Demo – Wir lassen uns nich verdrängen – Li(e)ber Anders verteidigen!

03.07.2021 Kiel Demo: Wir lassen uns nich verdrängen – Li(e)ber Anders verteidigen!

Mit Unverständnis und Entrüstung haben wir die plötzliche Kündigung der
Räumlichkeit für das Li(e)ber Anders in der Iltisstraße 34 durch die
Hauseigentümerin Ulrike Berger zum 31.07.2021 erfahren. Der Verein zur
Förderung der politischen Bildung in Gaarden e.V bietet
Stadtteilintiativen in Kiel seit drei Jahrzehnten einen geschützten Raum
zur substanziellen, linken Selbstorganisation. Das Li(e)ber Anders steht
damit im Mittelpunkt des emanzipatorischen Kampfes gegen Verdrängung von
selbstverwalteten, unkommerzialisierten Räumen aus Kiel für die
Gaardener*innen und ihre Verbündeten.

Die Kündigung verstehen wir als Angriff auf solidarische
Stadtteilprojekte, sozialen Zusammenhalt in Gaarden und politische
Autonomie der vielen Menschen vor Ort. Der Verdrängungsversuch ist eine
Offensive gegen unabhängige antirassistische und antisexistische
Projekte, kostenlose Beratungshilfe und Unterstützungsangebote für
gefährdete Mieter*innen, Küche für alle und vieles mehr. Das Li(e)ber
Anders wurde am 19.12.2018 bereits Ziel eines Brandanschlags und konnte
durch aufmerksame Anwohner*innen erfolgreich vor seiner Zerstörung
geschützt werden. Den einzigartigen Stadtteilladen jetzt im Rahmen der
Stadtteilaufwertung loswerden zu wollen ist daher für uns nichts weniger
als eine rote Linie, die hier nicht überschritten werden darf. Über 100
Initativen, Gruppen und Organisationen und mehr als 500
Einzelunterstützer*innen für den Erhalt des Stadtteilladens in der
Iltisstraße 34 sprechen eine unmissverständliche Sprache:
Unser gemeinsames Zuhause in Gaarden nimmt uns niemand!

Seit April 2021 stellt sich Ulrike Berger mit ihrem Kündigungsüberfall
mitten in der Pandemie rigoros und ohne Verhandlungsbereitschaft gegen
die politischen und kulturellen Interessen der Bewohner*innen im
Stadtteil, die das von ihr 2014 erworbene Gebäude seit 30 Jahren nutzen.
Wir lassen nicht zu, dass dieser soziokulturelle und politische
Schutzraum für Gentrifizierungspläne geopfert wird und damit ein
weiteres Symbol der kapitalistischen Verdrängung von Gaardener*innen,
der Verteuerung von Wohnraum und der Verhinderung linker Autonomie in
Kiel darstellt. Das Li(e)ber Anders auf lange Zeit im Stadtteil zu
verankern ist die Grundlage für ein solidarisches Miteinander in
Gaarden. Dafür stehen wir gemeinsam und widerständig ein.

Bis hier hin und keinen Schritt weiter!
Das Li(e)ber Anders verteidigen!

Demonstration: Am 03.07.2021 14 Uhr Vinetaplatz Kiel-Gaarden

KBFN – Keine Bühne Für Nationalist*innen

1 https://kbfn.noblogs.org/03-07-2021-kiel-lieber-anders-verteidigen
2 https://lieberanders.gaarden.net/
3 https://wirbleibenlieberanders.noblogs.org/post/2021/06/20/03-07-demo-wir-lassen-uns-nicht-verdraengen-lieber-anders-verteidigen
4 https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-stadtteilladens-li-e-ber-anders-kiel-gaarden